Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Challenges 2011’ Category

Polen war eines der zwei Länder der „Deutschland und seine Nachbarn“-Challenge, zu dem mir auf Anhieb weder ein Autor noch eine Autorin eingefallen ist. Zum Glück gibt es bei Wikipedia nach Ländern geordnete Listen von SchriftstellerInnen, und so bin ich auf Janina David und ihr Buch „Ein Stück Himmel“ gestoßen:

Janina David wurde 1930 im polnischen Kalisch in eine wohlhabende jüdische Familie geboren. Nach einer im Großen und Ganzen glücklichen Kindheit endet ihr bisheriges Leben durch den deutschen Überfall auf Polen und den davon ausgelösten zweiten Weltkrieg. Ab 1940 muss sie mit ihrer Familie im Warschauer Ghetto leben, 1943 kann ihr Vater die Flucht zu einer Bekannten „draußen“ in Warschau organisieren – aber nur für sie: Ihr Vater und ihre Mutter müssen im Ghetto bleiben. An dieser Stelle endet „Ein Stück Himmel“.

Bedrückend zu lesen, wie das Kind Janina die Judenfeindlichkeit in Polen erlebt. Furchtbar, wie ihr unschuldiger Wunsch aus Vorkriegszeiten

Wenn wir nur arm wären, wenn ich nur einmal hungern müsste […]. Wenn ich nur nicht fünfmal am Tag alle diese feinen, leicht verdaulichen Sachen essen müsste, die immer eigens für mich gekocht wurden, seit ich mit zwei Jahren einmal [sehr] krank war […].

im Ghetto grausame Wirklichkeit wird. Wie Hunger, Krankheiten und die immer präsente Angst vor nationalsozialistischen „Aktionen“, also letztlich mehr und mehr die Angst vor dem Tod, den Alltag dort prägen. Herzzerreißend schließlich, wie Janina mit 13 ihre Eltern verlassen muss, um überleben zu können.

„Ein Stück Himmel“ ist in Ich-Form geschrieben, Janina David erzählt aus der Sicht des Kindes, das sie war; im Vergleich zu Anne Franks Tagebuch ist der Stil aus Altersgründen also naiver, was gleichzeitig aber die Geschehnisse noch unfassbarer macht: wie soll ein Kind das alles begreifen, was selbst für die Erwachsenen um sie herum unfassbar ist? Nach und nach schrumpft Janinas einst so weite Welt für sie im Ghetto zu einem Blick auf „ein (kleines) Stück Himmel“.

Die Nachfolgebände („Ein Stück Erde“ und „Ein Stück Fremde“) stehen schon auf meiner Einkaufsliste.

Advertisements

Read Full Post »

Inhalt:

Dahlia, die Ich-Erzählerin, stammt ursprünglich aus Deutschland, ist aber ins Elsass ausgewandert und besitzt dort einen wunderbaren Romantikladen – der leider kurz vor der Pleite steht. Ihr Freundin Estelle, nach Baden-Baden ausgewanderte Französin, ist Jazz-Sängerin, bekommt aber kaum noch passende Engagements und hat Beziehungsprobleme. Die Dritte, Älteste und scheinbar einzig Glückliche im Bunde ist Bruni, ehemals eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die nun mit Anfang 60 zu ihrem Liebsten nach Südfrankreich gezogen ist, um dort nur noch die Zweisamkeit zu genießen.

Aus Südfrankreich erreichen Dahlia und Estelle schwärmerische Postkarten von Bruni, und da die beiden recht deprimiert sind, beschließen sie spontan, ihre Freundin zu besuchen. Wie sie diese dort vorfinden, das hat allerdings wenig zu tun mit dem Inhalt ihrer Postkarten…

Meine Bewertung:

Was würde ich darum geben, wenn es mehr (sogenannte) Frauenromane wie „Lavendelblues“ gäbe!

Bücher, in denen es wirklich um Frauen geht, in denen das Wort „Diät“ kein einziges Mal vorkommt und nicht Männer die (mehr oder weniger) heimlichen Hauptpersonen sind.

Bücher, in deren Sprache man am liebsten baden würde, so wunderschön ist sie:

[Yves‘ Musik] hat die schwere Süße der überreifen Trauben im Süden, die kalte Schärfe des Zuckerrohrs, das dort wuchert, wo van Gogh sich das Ohr abschnitt. Seine Musik bewegt sich wie Lavendelblüten in einem Wind, der Wolkenbrüche vor sich her treibt. Lavendelblues…Vom Himmelswasser ist sein Duft nicht auszuwaschen. Und so setzen sich in das traurige Ziehen leise Akzente, hüpfen, fangen an zu rollen wie die Brandung am Meer. Es ist ein Meer, das seine Trauer tanzt und wogt und Menschenkörper mitreißt. Yves spielt Tristesse, die nach Muschelsand riecht, nach Blütenfeldern und nach einer südlichen Regennacht.

Bücher, die die LeserInnen mit einem Ziehen im Herzen zurücklassen, mit Fernweh und der Sehnsucht danach, die eigenen Träume zu verwirklichen.

 

Mit Dahlia und Bruni wäre ich selbst gern befreundet und in allen drei Freundinnen konnte ich Persönlichkeitsanteile entdecken, die Teilen meiner eigenen Persönlichkeit gar nicht so unähnlich sind. Bei Dahlia und ihrem Geschäft war es am Naheliegendsten, auch wenn mein Traumladen kein Romantik-, sondern ein „etwas anderer“ Buchladen wäre.

 

Der kurze Prolog hat mich zuerst verwirrt, aber gleich beim ersten Kapitel war ich mitten in der Geschichte. Dazu trägt auch bei, dass nicht nur die Haupt-, sondern auch die Nebenfiguren liebevoll ausgestaltet sind. Und dass auch Frankreich eine große Rolle spielt: schon das Cover finde ich sehr gelungen und so, wie die Autorin das Land beschreibt, würde ich am liebsten sofort eine Reise zu den Orten des Romans unternehmen.

Mein Fazit:

Kurz und knapp: Ein Genuss!

***

Linktipp:

Die Homepage zum Roman: Lavendelblues



Read Full Post »

Erst vier Monate am Bloggen und schon eine Krise?

Es geht gar nicht ums Bloggen an sich. Sondern um die Tatsache, dass ich mich in meiner ersten „Ich bin jetzt ein kleiner Teil der Buch-Blogosphäre“-Euphorie bei vielen Aktionen angemeldet und mich damit übernommen habe. Kein unbeschwerter Lesespaß mehr, viel weniger Freude am (Buch-) Bloggen, weil ich nur noch denken kann: „Das musst Du noch dafür rezensieren, dieses Buch für jene Seite, den Artikel an dem Tag für diese Aktion schreiben“ etc..

Als ich mich vorhin ans Lesen setzen wollte und einfach keine innere Ruhe dafür finden konnte, habe ich gemerkt, dass ich etwas ändern muss. Wenn ich nämlich keinen Spaß mehr am Lesen habe, habe ich auch keinen mehr am Rezensieren und mein Blog würde langsam aber sicher eingehen. Und ich hätte mir mein allerliebstes Hobby, das Lesen natürlich, auch noch selber kaputtgemacht…

Hier meine Gegenmaßnahmen:

Ab sofort nicht mehr teilnehmen werde ich an den Aktionen „Tage vergehen“ und „12 Bücherzeiten“, ich werde mich um keine neuen Vorablesen-Exemplare mehr bewerben und für keine Gastrezensionen mehr; bei kommenden Leserunden und anderen Aktionen werde ich auch nicht mehr dabei sein.

Weiterhin dabei bin ich bei den Challenges (da will ich einfach durchhalten, werde mich aber für 2012 für keine mehr eintragen), beim SUB-Abbau sowieso; die Leserunde, die gestern gestartet ist, mache ich auch noch mit, und natürlich schreibe ich auch noch die Rezensionen, für die ich die Bücher schon erhalten habe (eine Gastrezension und eine für vorablesen.de).

Da mir die Idee des Freitags-Füllers sehr gefällt und ich dabei noch nie den Gedanken „Jetzt muss ich auch noch das machen…“ hatte, bleibe ich dem auch treu. Dem Hörbuch-Rezensionsprogramm ebenfalls; allerdings wird der Zeitraum zwischen den HB-Rezensionen etwas größer werden.

Ich möchte, dass in meinem Blog wieder hauptsächlich Rezensionen zu lesen sind. Und zwar zu Büchern, auf die ich gerade Lust habe. Ab und an wird es meine Buchgeschichten geben (je nachdem, wann mich ein Thema halt „anspringt“) und jeden Freitag den Füller.

Also, lieber Lesespaß, für Dich ist jetzt alles vorbereitet – bitte komm wieder!

Read Full Post »

Inhalt:

Carl Pius, ein armer Färbersohn aus dem Wuppertal, will evangelischer Pfarrer werden – damit bricht er, sowohl was die Konfession als auch den Beruf anbetrifft, aus seiner Familie aus. Sein Kommillitone Eduard Sonntag will katholischer Pfarrer werden und kommt aus einer Fabriksbesitzerfamilie. In Liebesdingen vermischen sich die Familien und Stände; doch keine dieser Affären geht gut aus, und am Ende ist auch die Freundschaft zwischen Carl und Eduard zerstört.

Meine Bewertung:

Im Stück geht es viel um Aberglauben und es wird meistens in Dialekt gesprochen – beides hat mir das Lesen schwer gemacht.

Gut konstruiert ist es: Das Vermischen der Stände wird im 3. Akt dadurch bildhaft gemacht, dass er auf einem Jahrmarkt spielt; die anderen Akte spielen entweder in der Fabrikantenvilla oder im Arbeiterviertel.

Carl ist eine sehr interessante Figur: wie oben schon beschrieben, ist er anders als die Familie, aus der er stammt.  Am Ende aber betrinkt er sich aus Liebeskummer mit einem Färber – abgelehnt von der Fabrikantenfamilie flüchtet er sich in den Alkohol und in seine ursprüngliche Welt. Ob er es wohl trotzdem schaffen wird, Pfarrer zu werden? Die Freundschaft mit Eduard ist jedenfalls dahin; so, wie Carl von der Familie seines Freundes abgelehnt wurde, so lehnt er diesen jetzt selbst ab.

Mein Fazit:

Else Lasker-Schüler schrieb das Stück 1908 – kein Wunder, dass da manch Formales auf uns heutige LeserInnen zuerst befremdlich wirkt. Inhaltlich (i.e. was die sozialen Unterschiede in der Gesellschaft und die Folgen daraus angeht) aber ist „Die Wupper“ aktuell und wird es wohl (leider) auch noch lange bleiben.

Read Full Post »

…werde ich heute beginnen, und zwar „Die Wupper“ von Else Lasker-Schüler (1869-1945). Von dieser Schriftstellerin kannte ich bisher leider nur das Gedicht „Mein blaues Klavier“ und auch nur wenig Biographisches.

Dagegen hat sich aber etwas tun lassen: Bei FemBio.org gibt es eine Kurzbiographie, bei wikipedia einen (längeren) Artikel über sie.

Das nur als kleiner Vorausblick, ich gehe jetzt lesen, damit das wirklich noch eine März-Rezension wird. 😉

Read Full Post »

„Werde Entdecker!“ – Februar:

Anmerkung: Beim Suchen nach meinen weiteren „Entdecker“-Stationen ist mir aufgefallen, dass keine einzige der Schullektüren, die ich in 9 Jahren Deutsch-Unterricht am Gymnasium lesen musste,  von einer Frau geschrieben wurde. Nun habe ich in der Bibliothek das Buch „Spectaculum. Theaterstücke von Frauen“ (Suhrkamp, 1987) entdeckt und die darin enthaltenen sieben Theaterstücke werden meine nächsten Challenge-Stationen sein.

Zuerst habe ich „Fegefeuer in Ingolstadt“ von Marieluise Fleißer gelesen:

Inhalt:

Ingolstadt, 1924: Olga erwartet ein Kind von Peps, der mittlerweile aber mit Hermine zusammen ist. Roelle, ein häßlicher und stinkender Junge, will Olga mit seinem Wissen, dass sie zu einer Engelmacherin gehen wollte, erpressen, um ihr näherzukommen, doch sie will nichts von ihm wissen. Ihre Schwester Clementine wiederum ist in Roelle verliebt und reagiert deswegen eifersüchtig auf Olga.

Als Olgas Vater in einem Café von anderen Leuten geschnitten wird, teilt Olga ihm mit, dass sie schwanger ist. Daraufhin wirft er sie aus dem Haus und Olga will sich umbringen. Roelle rettet sie und behauptet, der Vater ihres Kindes zu sein, doch Olga will die Hilfe des Außenseiters nicht.

Meine Meinung:

Ich muss sagen, anfangs habe ich mich schwer getan mit dem Stück. Dann habe ich mich darüber informiert (und auch über die Autorin) und es ein zweites Mal gelesen, was viel besser geklappt hat. Es geht um einen Außenseiter und ein Mädchen, das durch ihre Schwangerschaft auch zur Außenseiterin wird. Die beiden halten aber nicht zusammen, sondern tragen nur noch mehr zu ihrem Außenseitertum bei. Die Gruppenszenen, in der Olga und besonders Roelle von anderen gequält werden, sind bedrohlich in ihrer Eindringlichkeit. Dazu kommen noch die Zwänge der Religion als großes und ebenso bedrohliches Thema.

Mein Fazit:

Eine interessante Entdeckung. Ich hoffe sehr, dass „Fegefeuer in Ingolstadt“ bald einmal in einem Theater in meiner Umgebung gespielt wird, denn ich will es unbedingt auf der Bühne sehen.

Read Full Post »

Der zweite Fall für Carl Mørck, Kriminalpolizist in Kopenhagen und Leiter des Sonderdezernats Q, das sich mit der Aufklärung alter, nie gelöster Fälle befasst:

Auf unerklärliche Weise liegt eine über 20 Jahre alte Akte auf Mørcks Schreibtisch. Es geht um den Mord an zwei Jugendlichen, und der geständige Täter sitzt seit Jahren hinter Gittern. Doch Mørck wäre nicht Mørck, wenn er nicht doch ermitteln würde, und zusammen mit seinem Assistenten und seiner neuen Sekretärin kommt er einer Reihe von furchtbarsten Verbrechen auf die Spur. Die Verdächtigen sind ehemalige Schüler eines Internats für die Sprösslinge reicher Eltern und heute selbst Größen der Gesellschaft. Sie lassen ihren Einfluss spielen und Mørck wird der Fall entzogen- doch er ermittelt weiter…

Zu diesem Buch habe ich eine zwiespältige Meinung:

Einerseits ist es spannend; gerade die Jagdszenen, die den Sadismus und die Psychopathie der Verdächtigen illustrieren, haben mir das Blut in den Adern gefrieren lassen, und beim Lesen trieb mich dauernd die Hoffnung an, dass Mørck es irgendwie schafft, dass sich die Schuldigen nicht wieder freikaufen können, sondern ihre gerechte Strafe bekommen. Auch die Figur der Obdachlosen Kimmie, Opfer und Täterin zugleich, konnte mich größtenteils überzeugen. Die Handlung ist also durchaus mitreißend.

Andererseits reicht die Spannung bei Weitem nicht an „Erbarmen“, den 1. Fall des Sonderdezernats Q, heran. Auch ist es sehr schade, dass man von Mørck (und seinem Team) kaum etwas Privates erfährt; so wächst er einem nicht ans Herz und richtige Sympathie für ihn konnte ich leider erst im Epilog aufbringen. Deshalb fehlt mir dieser gewisse Funke, den andere Krimireihen in mir auslösen konnten: Mørck ist eben „nur“ der Ermittler, keine tiefergehend charakterisierte Figur.

Mein Fazit:

Ein recht ordentlicher Krimi, aber kein Knaller.

Read Full Post »

Older Posts »