Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Dramen’ Category

Inhalt:

Carl Pius, ein armer Färbersohn aus dem Wuppertal, will evangelischer Pfarrer werden – damit bricht er, sowohl was die Konfession als auch den Beruf anbetrifft, aus seiner Familie aus. Sein Kommillitone Eduard Sonntag will katholischer Pfarrer werden und kommt aus einer Fabriksbesitzerfamilie. In Liebesdingen vermischen sich die Familien und Stände; doch keine dieser Affären geht gut aus, und am Ende ist auch die Freundschaft zwischen Carl und Eduard zerstört.

Meine Bewertung:

Im Stück geht es viel um Aberglauben und es wird meistens in Dialekt gesprochen – beides hat mir das Lesen schwer gemacht.

Gut konstruiert ist es: Das Vermischen der Stände wird im 3. Akt dadurch bildhaft gemacht, dass er auf einem Jahrmarkt spielt; die anderen Akte spielen entweder in der Fabrikantenvilla oder im Arbeiterviertel.

Carl ist eine sehr interessante Figur: wie oben schon beschrieben, ist er anders als die Familie, aus der er stammt.  Am Ende aber betrinkt er sich aus Liebeskummer mit einem Färber – abgelehnt von der Fabrikantenfamilie flüchtet er sich in den Alkohol und in seine ursprüngliche Welt. Ob er es wohl trotzdem schaffen wird, Pfarrer zu werden? Die Freundschaft mit Eduard ist jedenfalls dahin; so, wie Carl von der Familie seines Freundes abgelehnt wurde, so lehnt er diesen jetzt selbst ab.

Mein Fazit:

Else Lasker-Schüler schrieb das Stück 1908 – kein Wunder, dass da manch Formales auf uns heutige LeserInnen zuerst befremdlich wirkt. Inhaltlich (i.e. was die sozialen Unterschiede in der Gesellschaft und die Folgen daraus angeht) aber ist „Die Wupper“ aktuell und wird es wohl (leider) auch noch lange bleiben.

Advertisements

Read Full Post »

„Werde Entdecker!“ – Februar:

Anmerkung: Beim Suchen nach meinen weiteren „Entdecker“-Stationen ist mir aufgefallen, dass keine einzige der Schullektüren, die ich in 9 Jahren Deutsch-Unterricht am Gymnasium lesen musste,  von einer Frau geschrieben wurde. Nun habe ich in der Bibliothek das Buch „Spectaculum. Theaterstücke von Frauen“ (Suhrkamp, 1987) entdeckt und die darin enthaltenen sieben Theaterstücke werden meine nächsten Challenge-Stationen sein.

Zuerst habe ich „Fegefeuer in Ingolstadt“ von Marieluise Fleißer gelesen:

Inhalt:

Ingolstadt, 1924: Olga erwartet ein Kind von Peps, der mittlerweile aber mit Hermine zusammen ist. Roelle, ein häßlicher und stinkender Junge, will Olga mit seinem Wissen, dass sie zu einer Engelmacherin gehen wollte, erpressen, um ihr näherzukommen, doch sie will nichts von ihm wissen. Ihre Schwester Clementine wiederum ist in Roelle verliebt und reagiert deswegen eifersüchtig auf Olga.

Als Olgas Vater in einem Café von anderen Leuten geschnitten wird, teilt Olga ihm mit, dass sie schwanger ist. Daraufhin wirft er sie aus dem Haus und Olga will sich umbringen. Roelle rettet sie und behauptet, der Vater ihres Kindes zu sein, doch Olga will die Hilfe des Außenseiters nicht.

Meine Meinung:

Ich muss sagen, anfangs habe ich mich schwer getan mit dem Stück. Dann habe ich mich darüber informiert (und auch über die Autorin) und es ein zweites Mal gelesen, was viel besser geklappt hat. Es geht um einen Außenseiter und ein Mädchen, das durch ihre Schwangerschaft auch zur Außenseiterin wird. Die beiden halten aber nicht zusammen, sondern tragen nur noch mehr zu ihrem Außenseitertum bei. Die Gruppenszenen, in der Olga und besonders Roelle von anderen gequält werden, sind bedrohlich in ihrer Eindringlichkeit. Dazu kommen noch die Zwänge der Religion als großes und ebenso bedrohliches Thema.

Mein Fazit:

Eine interessante Entdeckung. Ich hoffe sehr, dass „Fegefeuer in Ingolstadt“ bald einmal in einem Theater in meiner Umgebung gespielt wird, denn ich will es unbedingt auf der Bühne sehen.

Read Full Post »

„Werde Entdecker!“ – Januar:

Zuerst ein kurzer Faktencheck: Was ist mir aus Schulzeiten noch bekannt zu Gerhart Hauptmann (also ohne Nachschlagen):

*Epoche: Naturalismus: (Kunst=Natur-X (Formel von Holz/Schlaf)[1])

*Mir bekannte Werke:

-Vor Sonnenaufgang (Schullektüre, 9. oder 10. Klasse)

– Die Weber, Der Biberpelz, Bahnwärter Thiel, Die Ratten (bekannt durch Referate von Klassenkameraden)

Nun zu „Vor Sonnenuntergang“:

Geheimrat Matthias Clausen ist 70 und seit drei Jahren Witwer. Er verliebt sich in die junge Inken und möchte sie heiraten, doch seine Kinder und Schwiegerkinder fürchten um ihr Erbe und wollen ihn mit allen Mitteln von der Heirat abbringen. Letzlich lassen sie ihn entmündigen und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Da ich schon seit über 10 Jahren kein Drama mehr gelesen habe, hat es einige Zeit gedauert, bis ich im Lesefluss war. Dann hat mich die Geschichte aber gepackt und das tragische Ende sehr mitgenommen.

Wer eine Familie wie Geheimrat Clausen hat, der braucht wirklich keine Feinde mehr:

Besonders negativ stechen sein Schwiegersohn Erich Klammroth heraus, der sich lieber heute als morgen Clausens Betriebe unter den Nagel reißen möchte, und seine Frau Ottilie, die eindeutig nicht auf der Seite ihres Vaters steht. Und natürlich des Geheimrats Schwiegertochter Paula Clothilde, die sich sogar dazu herabläßt, Inkens Mutter anonyme Droh-Postkarten zu schicken. Aber auch die übrigen Familienmitglieder und sogenannte „Freunde“ Clausens tun ihr Übriges, um den Geheimrat in die Enge zu treiben- Geldgier allerorten. Nur ein alter Freund und sein Privatsekretär stehen auf seiner Seite, doch zum Schluss können auch die nichts mehr ausrichten.

Im Wikipedia-Artikel zu „Vor Sonnenuntergang“ steht folgender Satz:

„Die Figuren sind in sich nicht die typischen Gegenspieler, sondern handeln in ihren Gesichtspunkten – wie es Hanfeldt [Justizrat, Schulfreund von Clausens Sohn Wolfgang] am Ende des Stücks beteuert – [aus] ihrem Pflichtgefühl heraus.“

Dieser Deutung kann ich nicht zustimmen: Clausens Familie handelt v.a. aus Geldgier und gerade Hanfeldt lässt sich von Wolfgang für seine Sache einspannen. Natürlich geben die Personen ihre wahren Beweggründe nicht offen zu, aber in den Dialogen und auch an ihren Handlungen sind sie deutlich zu merken.

—–

Weiterführende Informationen für Interessierte:

Gerhart Hauptmann (1862-1946)

Naturalismus (~1880-1900)

[1] Dass ich diese Formel noch weiß, ist meinem sehr engagierten Deutschlehrer in der Mittelstufe zu verdanken. Er ist auch  in nicht unerhebliche Maße „Schuld“ daran, dass ich eine so große Leseratte bin. Und dass in der Schule jahrelang meine Lieblingsaufgabe darin bestand, Gedichte, Dramen und Romanauszüge in aller Ausführlichkeit zu interpretieren und mich auf jede derartige Deutsch-Schulaufgabe zu freuen. Das haben nicht viele meiner Mitschüler verstanden…;-)

Read Full Post »