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Archive for the ‘Historische Romane’ Category

Straßburg, Frühe Neuzeit: Die junge Margarethe Prüß verbringt gern Zeit in der Druckerei ihres Vaters und lernt dabei viel von ihm. Als er überraschend stirbt, erbt sie, gegen den Willen ihres Bruders und den meisten Männern in der Zunft, die Hälfte der Druckerei. Bald muss sie aber einen Drucker heiraten, damit sie die Druckerei nicht verliert, und ihre Wahl fällt auf Reinhard, den ehemaligen Altgesellen ihres Vaters und damit den Mann, den sie liebt. Doch nach einigen glücklichen Jahren stirbt ihre große Liebe und Margarethe muss wieder heiraten…

Man nehme eine Frau, die in einer stürmischen Zeit lebt (hier: die Reformationszeit) und eine besondere Begabung hat, die die Frauen in ihrer Zeit eigentlich nicht ausleben durften (hier: die Buchdruckerei), was die Hauptperson aber unbedingt tun will. Natürlich hat sie bis zum glücklichen Ende viele Hindernisse zu überwinden, die Themen Liebe, Tod, Hass und Verrat dürfen auch nicht zu kurz kommen und schon ist er fertig, der Historienschinken.

Denen konnte ich bis vor kurzem nicht wirklich etwas abgewinnen (wahrscheinlich habe ich bei meinen früheren Versuchen einfach die falschen erwischt, die, die vor Schmalz triefen und schlecht recherchiert sind), aber durch Bücher wie „Die Buchdruckerin“ werde ich immer mehr in ihren Bann gezogen. Sabine Weiß kann schreiben und hat auch gründlichst recherchiert; die Wirren der Reformationszeit spielen eine große Rolle in diesem Buch und ich habe so einiges Interessantes über diese Zeit dazugelernt. Nicht zu vergessen, dass man einfach mitfiebern muss, wie Margarethes Leben wohl weitergeht.

Mein einziger Kritikpunkt: mich stören in Büchern Wendungen nach dem Motto „Doch das Schicksal hatte etwas anderes mit ihr vor“. Es versteht sich von selbst, wenn noch ein paar Hundert Seiten vor einem liegen, dass nicht alles gut gehen kann, und ein paar Seiten später passiert das Angekündigte ja sowieso.

Ansonsten habe ich aber nichts an dem Buch auszusetzen und kann es geschichtlich etwas Interessierten nur empfehlen.

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P.S.: Leider hat sich das Bewertungssystem nicht bewährt, viele Bücher sind einfach nicht miteinander zu vergleichen, deshalb bleibt es ab heute wieder bei verbalen Bewertungen.

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Adelina, Apothekerin im spätmittelalterlichen Köln, ermittelt wieder. Diesmal aber in eigener Sache, denn als aus einem Beinhaus Knochen gestohlen werden und kurze Zeit darauf eine Frauenleiche in Adelinas Abortgrube gefunden wird, wird Adelinas Mann, der Medicus Neklas Burka, verdächtigt und festgenommen. Im Laufe ihrer Nachforschungen kommen Dinge ans Licht, die selbst die Apothekerin an der Unschuld ihres Mannes zweifeln lassen…

Ich mag Adelina: Eine starke Frau, die trotz vieler Anfeindungen die Apotheke ihres Vaters übernommen hat und sich ganz „nebenbei“ auch noch einer großen Familie widmet: sie sorgt für ihren geistig behinderten jüngeren Bruder Vitus, ihre Stieftocher Griet, ihren dreijährigen Sohn Colin und ist in „Frevel im Beinhaus“ gerade mit ihrem zweiten Kind schwanger- was sie aber nicht davon abhält, für ihren Mann zu kämpfen.

Dass die Autorin Geschichte studiert hat, merkt man dem Buch an, sehr lebendig schildert sie das Leben in Köln im späten Mittelalter. Weiterhin ist „Frevel im Beinhaus“ spannend und durch die Personenübersicht am Anfang und das Glossar am Ende des Buches auch noch überaus leserfreundlich.

Eigentlich lese ich ja am liebsten Krimis, die in der heutigen Zeit spielen, aber so langsam beginnt sich mein Lesegeschmack auf historische Romane auszudehnen; „Frevel im Beinhaus“ hat von beiden Genres etwas und konnte mich deshalb begeistern.

Das wird übrigens nicht mein letzter historischer Roman von Petra Schier gewesen sein, „Die Stadt der Heiligen“ liegt schon auf meinem SUB und natürlich hoffe ich auf eine Fortsetzung der Adelina-Reihe.

P.S.: Hier kann man sich umschauen in „Adelinas Welt“ und so einiges über ihre Zeit lernen.

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Inhalt:

Die junge Irin Moira wird 1799 von ihren Eltern gezwungen, den alternden Arzt Alistair McIntyre zu heiraten; kurz nach der Hochzeit wandert er mit ihr in die Sträflingskolonie Neuholland (=Australien) aus, um dort eine neue Stelle anzutreten. Moira hasst ihr Leben als „Mrs Alistair McIntyre“ in der Fremde, bis sie den Iren Duncan kennenlernt und sich Hals über Kopf in den Sträfling verliebt. Wird es für ihre Liebe eine Zukunft geben?

Meine Bewertung:

„Das Lied der roten Erde“ war mein erster Liebesroman seit Jahren, und ich muss sagen, dass mir das Buch gut gefallen hat. Moira, die widerspenstige Hauptfigur, die sich aufzulehnen versucht gegen die enge Frauenrolle der damaligen Zeit, habe ich gleich in mein Herz geschlossen; habe mit ihr gelitten, als sie den unsympathischen Arzt heiraten musste und viele Seiten lang mit ihr gefiebert, ob sie letzlich doch noch mit Duncan zusammenleben kann.

Inez Corbi versteht es, Spannung aufzubauen, denn in der Geschichte sieht es einige Male so aus, als könnten Moira und Duncan endlich zueinanderfinden, nur damit um die nächste Ecke schon wieder der nächste Rückschlag wartet.

Zur Atmosphäre des Buches trägt auch sein Schauplatz Australien bei, der Busch und  besonders das Aborigines-Mädchen Ningali, das zu einer der Hauptpersonen eine besondere Beziehung hat.

Mein Fazit:

Ein herzerwärmender Schmöker, wie gemacht für kalte Winterabende.

Herzlichen Dank an vorablesen.de für das Rezensionsexemplar!

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Wenn ich an Isabel Allendes Bücher denke, muss ich an ein großes Bild voller oranger und roter Blüten denken, vor dem man lange stehen bleiben muss, um alle Einzelheiten erfassen zu können, wie beispielsweise die Vögel zwischen den Ranken und die verschiedenen Farbschattierungen.

So ein prachtvolles (Sitten-) Gemälde ist auch Allendes neueste Roman „Die Insel unter dem Meer“. In einer opulenten Sprache, die man Wort für Wort genießen muss, lässt sie uns teilhaben am Schicksal der Mulattin Zarité, genannt Tété:

Als Kind wird Tété 1778 in Saint-Domingue als Sklavin an den weißen Plantagenbesitzer Valmorain verkauft, um als Dienstmädchen für seine Frau zu arbeiten. Doch bald muss Tété auch ihrem Herrn zu Dienste sein, wird als junges Mädchen von ihm schwanger und darf ihr Kind aus Rücksicht auf die Dame des Hauses nicht behalten. Die jedoch wird nach der Geburt eines Jungen, Maurice, immer kränker, so dass sich die Sklavin um das fremde Baby kümmern muss. Ausbeutung und Misshandlung bestimmen weiterhin Tétés Leben, doch Maurice wird zur Hoffnung in ihrem Leben und sie ist für ihn die eigentliche Mutter. Ihr zweites Kind mit dem Herrn, dessen Frau mittlerweile im Sterben liegt, darf sie behalten, und so wachsen Maurice und die kleine Rosette trotz ihres unterschiedlichen sozialen Status‘ fast wie Geschwister auf. Für Rosette und sich die Freiheit, das ist Zarités großer Traum.

Doch zwischen ihr und der Erfüllung ihres Traums liegen noch viele schlimme Jahre: vor den Sklavenaufständen flieht sie wegen der Kinder mit ihrem Herrn nach Kuba und schließlich nach New Orleans. Dort heiratet Valmorain ein zweites Mal und der neuen Madame Valmorain ist alles ein Dorn im Auge, was die Aufmerksamkeit ihres Gatten von ihr ablenken könnte- also auch Maurice, Rosette und nicht zuletzt Tété. Der Traum von Freiheit scheint in weite Ferne gerückt, doch trotz aller Rückschläge gibt Zarité nicht auf…

Ganz entgegen meiner sonstigen Lesegewohnheiten habe ich dieses Buch ganz langsam gelesen, um die wunderbare Sprache genießen zu können. Die Geschichte hat mich richtig eingefangen: Das Unrecht, das Tété erleiden muss, hat mich aufgewühlt, die arrogante Borniertheit der Weißen hat mich in Rage gebracht und – ja, ich muss es zugeben – gegen Ende der Geschichte sind bei mir bittere Tränen geflossen. Und trotz langsamen Lesens sind die gut 550 Seiten dieses Buches für mich viel zu schnell zu Ende gegangen.

Mein Fazit:

Isabel Allende ist eine wundervolle Wort-Malerin und dieses Buch ein Meisterstück.

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Manche Klappentexte scheinen einen gerade anzuschreien: „Achtung, das hier ist ein Kitschbuch!“ Besonders, wenn in einem Klappentext folgender Satz vorkommt: „Er ist fasziniert von dieser außergewöhnlichen [jungen, schönen] Frau und beschließt, ihr zu helfen…“ Doch Elisabeth Motsch macht aus der Geschichte um den jungen Richter Jaspert, der von Paris nach Miranges geschickt wird, um dort die Hexenprozesse zu überwachen, und einer jungen Frau, der vorgeworfen wird, ihren Mann vergiftet zu haben und die sich gegen die Hexenjäger zu behaupten versucht, gkücklicherweise keinen Kitschroman.

Mitreißend beschreibt Motsch die Zeit der Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit: Als Jaspert der Folterraum gezeigt wird, bin ich mit ihm erschrocken über die Unmenschlichkeit der Folterer, ich konnte das Wispern der Leute auf den Straßen in Miranges über „Hexen“ beim Lesen fast selbst hören und habe mit Jasperts neuem Freund Bénédict gelitten, der genau wie Jaspert die Hexenprozesse zwar beobachten sollte, selbst jedoch keinen Einfluß auf den Umgang mit den Verdächtigen nehmen konnte.

Gewöhnungsbedürftig an dem Buch war die durchgängige Verwendung des Präsens, an die ich mich erst nach gut 70 Seiten richtig gewöhnt hatte, diese Tatsache wird aber durch die unerwarteten Wendungen und das „unkitschige“ Ende der Geschichte, das ich hier natürlich nicht verraten werde, mehr als ausgeglichen.

Mein Fazit: Ein spannendes Buch für zwischendurch, das sich leicht an einem Nachmittag „weglesen“ lässt.

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