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Archive for the ‘Romane’ Category

Inhalt:

Jane Eyre wächst als ungeliebtes Waisenkind bei der Familie ihres verstorbenen Onkels auf, deren Mitglieder sie voller Missachtung behandeln. Mit 10 wird sie in ein strenges Mädcheninternat abgeschoben, entdeckt dort jedoch trotz vieler Missstände ihre Liebe zum Lernen und arbeitet schließlich selbst 2 Jahre als Lehrerin an der Schule. Mit 18 bewirbt sie sich um eine Stelle als Gouvernante auf Thornfield Hall, bekommt diese Anstellung auch und verliebt sich in ihren Arbeitgeber Mr. Rochester. Jane scheint endlich ihr Glück gefunden zu haben, doch Rochesters finsteres Geheimnis, das ausgerechnet am Tag ihrer geplanten Hochzeit ans Licht gebracht wird, zwingt Jane zur Flucht…

Meine Bewertung:

Das Negative vorneweg: Schade fand ich es, dass die ausführliche Schilderung von Janes Kindheit nur bis zu ihren ersten Monaten im Internat Lowood reicht, und dann 8 Jahre kurz zusammengefasst werden. Manche Stellen in Janes späterem Lebensweg dagegen waren mir einfach zu langatmig, und ich hätte Jane am liebsten geschüttelt und zu ihr gesagt: Jetzt vergiss doch nur einmal Deine Vernunft und Deine ewige Gewissenserforschung und tu, was Dein Herz Dir sagt!

Insgesamt jedoch fand ich den Roman grandios: Jane schafft es, die Grenzen ihres Standes und (aus heutiger Sicht: teilweise) die Grenzen ihrer Rolle als Frau zu sprengen. Von einigen Stellen abgesehen, liest sich der Roman sehr spannend und hat viele interessante Figuren zu bieten, allen voran natürlich Jane: das arme Waisenkind und später die arme Gouvernante ist moralisch allen Menschen „von Stand“, die ihren Lebensweg kreuzen, haushoch überlegen. Auch, wenn dadurch, wie oben angemerkt, manch langatmige Stelle entsteht, ist es doch gerade Janes hohe Moral, die sie am Ende ihr Glück finden lässt.

Dass Jane selbst als Ich-Erzählerin auftritt und die LeserInnen auch direkt anspricht, macht den Roman noch lebendiger.

Mein Fazit:

„Jan Eyre“ von Charlotte Brontë gilt nicht umsonst als Klassiker, und ich bin sehr froh, dass ich diesen Roman im Rahmen einer Leserunde für mich entdecken durfte.

(Ich hasse es übrigens, wenn ich zu einem Buch wie diesem nicht so viel schreiben kann, wie ich es eigentlich möchte – aber ich will hier ja nicht übermäßig spoilern.*seufz* 😉 )

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Inhalt:

Dahlia, die Ich-Erzählerin, stammt ursprünglich aus Deutschland, ist aber ins Elsass ausgewandert und besitzt dort einen wunderbaren Romantikladen – der leider kurz vor der Pleite steht. Ihr Freundin Estelle, nach Baden-Baden ausgewanderte Französin, ist Jazz-Sängerin, bekommt aber kaum noch passende Engagements und hat Beziehungsprobleme. Die Dritte, Älteste und scheinbar einzig Glückliche im Bunde ist Bruni, ehemals eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die nun mit Anfang 60 zu ihrem Liebsten nach Südfrankreich gezogen ist, um dort nur noch die Zweisamkeit zu genießen.

Aus Südfrankreich erreichen Dahlia und Estelle schwärmerische Postkarten von Bruni, und da die beiden recht deprimiert sind, beschließen sie spontan, ihre Freundin zu besuchen. Wie sie diese dort vorfinden, das hat allerdings wenig zu tun mit dem Inhalt ihrer Postkarten…

Meine Bewertung:

Was würde ich darum geben, wenn es mehr (sogenannte) Frauenromane wie „Lavendelblues“ gäbe!

Bücher, in denen es wirklich um Frauen geht, in denen das Wort „Diät“ kein einziges Mal vorkommt und nicht Männer die (mehr oder weniger) heimlichen Hauptpersonen sind.

Bücher, in deren Sprache man am liebsten baden würde, so wunderschön ist sie:

[Yves‘ Musik] hat die schwere Süße der überreifen Trauben im Süden, die kalte Schärfe des Zuckerrohrs, das dort wuchert, wo van Gogh sich das Ohr abschnitt. Seine Musik bewegt sich wie Lavendelblüten in einem Wind, der Wolkenbrüche vor sich her treibt. Lavendelblues…Vom Himmelswasser ist sein Duft nicht auszuwaschen. Und so setzen sich in das traurige Ziehen leise Akzente, hüpfen, fangen an zu rollen wie die Brandung am Meer. Es ist ein Meer, das seine Trauer tanzt und wogt und Menschenkörper mitreißt. Yves spielt Tristesse, die nach Muschelsand riecht, nach Blütenfeldern und nach einer südlichen Regennacht.

Bücher, die die LeserInnen mit einem Ziehen im Herzen zurücklassen, mit Fernweh und der Sehnsucht danach, die eigenen Träume zu verwirklichen.

 

Mit Dahlia und Bruni wäre ich selbst gern befreundet und in allen drei Freundinnen konnte ich Persönlichkeitsanteile entdecken, die Teilen meiner eigenen Persönlichkeit gar nicht so unähnlich sind. Bei Dahlia und ihrem Geschäft war es am Naheliegendsten, auch wenn mein Traumladen kein Romantik-, sondern ein „etwas anderer“ Buchladen wäre.

 

Der kurze Prolog hat mich zuerst verwirrt, aber gleich beim ersten Kapitel war ich mitten in der Geschichte. Dazu trägt auch bei, dass nicht nur die Haupt-, sondern auch die Nebenfiguren liebevoll ausgestaltet sind. Und dass auch Frankreich eine große Rolle spielt: schon das Cover finde ich sehr gelungen und so, wie die Autorin das Land beschreibt, würde ich am liebsten sofort eine Reise zu den Orten des Romans unternehmen.

Mein Fazit:

Kurz und knapp: Ein Genuss!

***

Linktipp:

Die Homepage zum Roman: Lavendelblues



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Herzlichen Dank an Bibliophilin für dieses Rezensionsexemplar! Folgende Rezension erschien zuerst in ihrem Blog als Gastrezension.

Mimoun Driouch, geboren und aufgewachsen in der marokkanischen Provinz, ist „der letzte Patriarch“. Schon als Kind zu Gewalt neigend und trotzdem verhätschelt von seiner Mutter und seinen Schwestern, schreckt er auch davor nicht zurück, einen Suizidversuch vorzutäuschen, um seinen Willen zu bekommen. Seine Wutanfälle sind Dorfgespräch, unter seinen Gewaltausbrüchen haben später auch seine Frau und seine Kinder zu leiden.

Frauen, die ihre Sexualität ausleben, sind für ihn „Huren“, obgleich er Bettgeschichten mit eben diesen Frauen nicht gerade abgeneigt ist. Auch dann noch, als er schon verlobt ist und aus Berufsgründen in Spanien lebt – selbst, als er seine Familie nach Spanien nachkommen lässt.
Und ausgerechnet seine Tochter, am Anfang ihres Lebens eine schwächliche Frühgeburt, wird schließlich die Starke sein, die, die den letzten Patriarchen entmachten wird:

„Dies ist die einzige Wahrheit, die wir euch erzählen wollen, die Wahrheit von einem Vater, der mit der Frustration zurechtkommen muss, dass sich sein Los nicht erfüllt, und die Wahrheit von einer Tochter, die, ohne dass sie sich das vorgenommen hätte, die Geschichte der Familie Driouch auf immer veränderte.“

Wut – dieses Gefühl habe ich beim Lesen dieses Buches oft verspürt: Wut auf Mimoun, der seine Frau und seine Kinder schwer misshandelt, wie Leibeigene behandelt und dabei keinen Funken Unrechtsbewusstsein zeigt – Schuld sind immer „die Anderen“. Wut aber in Ansätzen auch auf die Mutter der Ich-Erzählerin, die ihrer Tochter nicht zur Seite steht, nicht zur Seite stehen kann, so sehr hat sie ihr Mann in den langen Jahren des Zusammenlebens „gezähmt“. Wut auch auf die übrige weibliche Verwandtschaft, die ihm ebenfalls nichts entgegengesetzt hat:

„Viele der Erfolge des großen Patriarchen lassen sich nur mit dem Verhalten der Frauen erklären, die immer um ihn herum waren und ihm, früher so wie heute, die Kastanien aus dem Feuer holten: Großmutter, die Tanten und später Mutter.“

Erstaunt war ich, wie kühl und distanziert die Ich-Erzählerin von der Gewalt erzählt, die ihr Vater (nicht nur) ihr angetan hat. Gerade diese Distanz hat mich das völlige Ausgeliefertsein der Opfer noch stärker miterleben lassen.
Bemerkenswert auch, dass hie und da trotz der Geschehnisse ein scharfsinniger Humor in der Geschichte aufblitzt.

Viele Wege sucht die Tochter, um ihre Freiheit zu erlangen; sie flüchtet sich vor dem Vater in eine frühe Ehe, aber auch ihr Ehemann kann ihr ihre Freiheit nicht geben, sondern entwickelt sich langsam selbst zu einem Patriarchen. Als ihr dies bewusst wird, fängt sie an zu begreifen, dass nur sie selbst sich befreien kann – so wird das Buch glücklicherweise zur Geschichte einer erfolgreichen Emanzipation. Nicht nur von ihrem Vater, sondern auch von der von Gewalt und Diskriminierung geprägten Gesellschaftsform, für die er beispielhaft steht.

Mein Fazit:
„Der letzte Patriarch“ von Najat El Hachmi ist ein mitreißendes und wichtiges Buch. Es bleibt zu hoffen, dass noch viele Töchter von „Patriarchen“ dem Weg der Ich-Erzählerin folgen werden.

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Vera Hagedorn ist 40 und eigentlich ganz zufrieden mit ihrem „spießigen“ Leben. Doch als sie zufällig herausfindet, dass ihr Mann sie betrügt, ändert sich für sie alles, und Vera macht sich auf den Weg, ein neues Leben zu beginnen und ihr Glück zu finden.

Als ich in einem Buchkatalog eine kurze Inhaltsangabe zu „Endlich!“ gelesen habe, fand ich die Idee sehr interessant: Welch interessante Geschichte könnte man daraus machen, wenn sich eine Frau mit 40 durch ein Schockerlebnis (endlich!) auf den Weg der Selbstfindung und -verwirklichung macht!

Und wie wurde ich enttäuscht!

Aber zuerst die positive Seite des Buches: es ist witzig geschrieben, wesentlich besser als das unsägliche „Mondscheintarif“.

Nur kann das auch nicht über die Oberflächlichkeit des Buches hinwegtäuschen: Es geht um Schönheits-OPs, Schminke, Diäten, Männer- langweilig! Und schade um die Lesezeit.

Die (Springer-Zeitung) „Welt am Sonntag“ schreibt im Klappentext: „Ildikó von Kürthy ist die Spezialistin für den schlauen Frauenroman.“ Mag ja sein- nur muss sich dann die Autorin mit „Endlich!“ einen großen Fehltritt geleistet haben.

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Die Außenseiterin Katherine ist positiv überrascht, als sie merkt, dass Alice, das schönste und beliebtestes Mädchen an der Highschool, mit ihr befreundet sein will. Zuerst ist ihre neue Freundschaft wunderbar, doch schon nach kurzer Zeit merkt Katherine, dass Alice auch eine dunkle Seite hat und gern mit Menschen spielt und sie bewusst verletzt- Katherine nicht ausgenommen…

An diesem Buch gefällt mir einfach alles:

das wunderschöne Cover, das Wortspiel im Originaltitel („Beautiful Malice“) und natürlich die Story:

Katherine mit ihrer tragischen Vergangenheit, die im ersten Teil des Buches auf spannende Weise nach und nach enthüllt wird, als Gegenpart zu ihr die bildschöne, aber hinterhältige Alice (die mich übrigens an die durchtriebene Zenia aus Margaret Atwoods „Räuberbraut“ erinnert), deren wahrer Charakter und wahre Absichten nur langsam ans Licht kommen.

Rebecca James erzählt fesselnd und spielt geschickt mit der Sprache; gerade gegen Ende des Buches bekommen eigentlich harmlose Sätze im Kontext des Geschehens einen alles andere als harmlosen, auf die Tragödie vorausdeutenden Sinn.

Das Buch ist spannend und oft traurig; manches Mal auch schockierend, z.B. als Katherine „die Wahrheit über Alice“ erfährt; es endet trotz allem aber hoffnungsvoll.

Mein Fazit:

Ein „Must Read“!

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Die Zwillinge Dine und Katinka erben von ihrer kürzlich verstorbenen Urgroßmutter Fanny je 1 Million Euro- aber nur unter der Bedingung, dass sie das Hotel „Friesenzauber“ an der Nordsee wieder zum Laufen bringen und es danach innerhalb eines Jahres 3 Monate lang ausgebucht ist. Die Probleme dabei: die Zwillinge verstehen sich nicht. Und das Hotel wurde vor über 50 Jahren das letzte Mal bewirtschaftet.

Im ersten Drittel ist das Buch zum Schreien komisch: die ewig streitenden Zwillinge, die herrlich verschrobenen Dorfbewohner und natürlich der vom Aussterben bedrohte Krawallquerwimpel: ein Vogel, der Dine und Katinka fast einen Strich durch die Hotelrenovierung macht, denn obwohl selbst sehr laut, verträgt er keinen Baulärm und steht unter besonderem Schutz eines Umweltschützers.

Im weiteren Verlauf des Buches nutzen sich die Witze allerdings ab und können nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass die Story doch sehr dünn ist. Immerhin kommt man am Ende noch hinter das Geheimnis, warum Fanny ausgerechnet den Zwillingen das Hotel vermacht hat; die Lösung ist unerwartet und das gibt dann doch noch einen zusätzlichen Pluspunkt.

Ein nettes Buch für zwischendurch, aber leider nicht mehr.

 

Herzlichen Dank an vorablesen.de für das Rezensionsexemplar!

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Ein Schriftsteller, Henry, verfällt angesichts der Möglichkeit, den Pulitzer-Preis ein zweites Mal zu erhalten, in Alterspanik und bringt keinen Buchstaben mehr zu Papier. Seine deutsche Übersetzerin, Meike, gerade erst aus ihrem alten, spießigen Leben geflohen, erwischt die Angst vor dem finanziellen Ruin, weil sie vergeblich auf sein neuestes Manuskript wartet, und sie reist nach Chicago, um den Schriftsteller zu finden und das Manuskript persönlich abzuholen- von dem allerdings noch keine Seite geschrieben ist. Um das Trio Infernale komplett zu machen, ist die dritte Hauptfigur Jasper, ein deutscher Bänker in Chicago, der kurz vor einer Beförderung zu stehen scheint, sich in Meike verliebt und selbst zur Schwärmerei des Schriftstellers wird- bis er sich verspekuliert…

Ja, ich weiß, das Buch wurde vielerorts hoch gelobt. Die Ängste der Hauptpersonen sind nachvollziehbar, die (zu?!) vielen Zufälle ganz witzig, aber letzlich reicht es bei mir nur für ein „ganz nett“. Ich kam zuerst nicht richtig in die Geschichte hinein, danach musste ich mich einige Male regelrecht zum Weiterlesen zwingen und am Ende des Buches war ich trotz einiger origineller Einfälle des Autors auch nicht traurig, dass es vorbei war (ganz im Gegensatz zu anderen Büchern, die ich wirklich gut fand).

Aber immerhin war das Lesen nicht ganz umsonst, denn mit „Das war ich nicht“ habe ich meine erste Station der Challenge „Deutschland und seine Nachbarn“ geschafft. 😉

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